Einsortiert unter: Gott und die Welt
H: Hochmut! – welch ein verdammter Hochmut schießt dir in den Kopf? – wie kannst du es wagen auch nur den Kleinsten dieser Gedanken zu äußern?
G: Hochmut? Keines Falls. Es ist just die Realität derer wir trotz ihres hässlichen Angesichts hin und wieder in die Visage blicken müssen
H: Das ich nicht lache. Als ob dieses Gespinnst was du Realität nennst auch nur eine Sekunde bestehen kann ohne in sich zusammenzufallen, wie die Trümmer der Mauern deines geistigen Schlosses.
G: Die Mauern an denen du beständig nagst aber doch niemals vermögen wirst sie einzureißen?
H: Die Mauern an welchen du Tag für Tag, Woche für Woche kontinuierlich arbeitest, um dich selbst einzumauern ohne zu bemerken, dass du dir selbst die Luft abschnürst.
G: Törrichter Narr! Ohne sie wären wir lange verloren.
H: Verloren? Meinst du etwa mehr noch als jetzt, wo wir ohne Ziel und ohne Antrieb in die grauen Welten fliehen? Was sollen wir denn noch verlieren? Der der nichts hat, kann auch nichts mehr verlieren!
G: Als ob dem so wäre. Sieh hinauf in die Lichter und erkenne die Stimmen, die nach uns rufen, uns bei sich haben wollen, unser eins achten und verlangen.
H: Ja diese wertlosen Schwätzer die nicht wissen was es heißt zu sein und zu leben. Die, die immernoch denken zu wissen was passiert und wollen, dass man ihrem trostlosen Beispiel folgt
G: Wie respektlos du bist. Sie waren es schließlich, die auch der größten Brandung trotzen und inne hielten, um uns Schutz zu gewähren und du kannst nicht leugnen, die warme Deckung genossen zu haben.
H: Wohl wahr. Doch ist Schein und sein nicht das Selbe. Zwar war es wohlig, sich an ihrer Glut zu wärmen, doch waren sie nie im Stande, ein Feuer zu entfachen – ein Feuer, welches in der Lage war uns wieder zu durchfluten und die latente Kälte zu vertreiben – auch wenn du dies zu gern behauptest-
G: Du sprichst im Wahn. Sieh doch ein, was es aus dir gemacht hat. Verkümmert bist du. Entstellt für ewig. Da du nicht widerstehen konntest.
H: Doch war es das Wert für dieses berauschende Dasein. Sich so losgelöst und frei zu fühlen, all den bösen Geistern zu entfliehen entschädigte jeden Schmerz und auch du warst dem Rausch erlegen. Also verurteile nicht!
G: Ja ich war von Sinnen den wirren Funken hinterher hechtend, um sie in Geborgenheit zu wiegen und sie vor dem Erlöschen zu bewahren. Doch erkannte ich schnell, dass ihnen nicht vergönnt war lange zu verweilen. Viel mehr schien es noch, das ihr einziger Zweck war sich tiefer und tiefer hineinzubrennen, um das Loch weiter klaffen zu lassen ohne den geringsten Wunsch, ihr Bestehen zu verlängern.
H: Daher kämpftest du gegen die Flammen an? Weil du Angst vor ein paar jämmerlich, winzigen Löchern hattest? Wie vergeuded die Zeit war, die du mit diesem sinnlosen Unterfangen verbrachtest, noch viel jämmerlicher als die Zeit, die die Funken hier auf Erden nutzten.
G: Keines Wegs. Mir war der Gedanke allein Lohn genug. Die Hoffnung darauf, diesen kleinen, verirrten Splittern zu helfen, wieder zu dem strahlenden Etwas zu werden, von dem sie kamen. Angst hatte ich vor dem Inferno, das die Macht hat alles zu zerstören, welches sie auszulösen vermochten.
H: Doch du versagtest kläglich und nun richte nicht über mich – als wäre ich allein der Blendung verfallen – und doch frage ich mich immernoch, ob es nicht mehr ist als Schein
G: Ich sagte doch, du sollst es nicht wagen, diese Gedanken zu veräußern. Störrischer Bastard. Willst du wieder so enden – falls du es diesmal überhaupt überstehst und die Flammen dich nicht völlig verzehren.
H: Es kann einfach nicht alles gewesen sein, all die einzelnen Tropfen, die sich zu einem reißenden Bach entwickelten, um jeden Winkel meiner Selbst zu durchspülen können keine Einbildung gewesen sein. All das Kribbeln, das wie Stromstöße durch mich fuhr und jeder Stelle meines Körpers neues Leben einhauchte, kann kein Hirngespinst gewesen sein. Nein. Nein. Nein. Nein.
G: Schweige still. Aus dir sprichst nicht du. Sieht dich an, sieh was dir passiert. Es kann so nicht sein. Es sollte so nicht sein. Es darf so nicht sein! Erliege nicht dem Klang der Sirenen, denn sie führen dich in unheilvolle Abgründe aus denen du als nichts mehr als ein kleines Häufchen Sein zurück kehrst, wenn überhaupt.
H: Ja, aber kann ich nicht frei sein ohne verlieren zu müssen? Ohne alles zurück zu lassen, was sich in all der Zeit aus meinem Schweiß und Blut errichtet habe?
G: Was ist das schon, außer einem Schloß aus Seifenblasen? Nur vergängliche, schillernde Expressionen eines unsäglichen Wunsches. Siehst du nicht, wie es dich zerfrisst. Merkst du es nicht?
H: Doch wird es mich noch viel mehr zerfressen, wenn ich von ablasse, wenn das glänzende Licht der Hoffnung in mir erlischt und sich auch dort die tiefe Finsternis einnistet. Das kann es nicht sein. das will ich nicht. Lieber will ich allem entsagen.
G: Wage es nicht, auch nur einen Gedanken an die Frage nach dem Ende zu verschwenden, bevor du nicht den Anfang gefunden hast. Vergrabe dich nicht in den Tiefen der Erde ohne ihre Früchte probiert zu haben. Lass den Genuss auf dich wirken und erliege der Versuchung – doch halte Abstand zu all dem, was dir das Leben entzieht.
H: Wie soll ich Abstand halten, wenn doch der größte Genuss nur durch die Nähe erreichbar ist? Wie? Sag mir nur wie? Die Bestie, die man fürchtet, zu zähmen ist wohl die edlere Lösung, als sich auf ewig vor ihr zu verkriechen.
G: Wohl war. Nur übersteigt sie wohl deine Fähigkeiten, sodass aus dem edlen Ritter wohl ein Haufen verkohltes Blech wird und nichts mehr an seinen Glanz und Ruhm erinnert.
H: Doch wäre der Ritter nicht Ritter, wenn er sich nicht der Herrausforderung stellen und die Bestie bekämpft, ob gleich das Risiko besteht zu fallen und tief hinab zu stürzen.
G: Nur nützt es dem Ritter nichts blind seinen Idealen in das sichere Verderben zu folgen, wenn er danach kein Ritter mehr ist. Viel mehr sollte er drauf bedacht sein, für seine Untergebenen zu sorgen und sich nicht Hals über Kopf hinein in seinen Anflug des Unkontrollierbarem zu stürzen
H: Was wäre ein Ritter ohne Tugend? Ein Ritter ohne Abendteuer? Ein Ritter ohne Mut, Risikofreude und Tatendrang? – nicht mehr als ein bloßer Knecht der sich allem unterwirft und es nie wagt das Maul auf zu reißen.
G: Wenn es dir so danach dürstet Ritter zu sein, um die Prinzessin auf dem Schimmel daheim zu führen, so hättest du wohl eher überlegen sollen, welchen Weg du einschlägst. Denn der deinige ist wahrlich nicht ritterlich, noch nicht mal knappenhaft, er gleicht viel mehr dem einer Prostituierten, die sich selbst für ein kleines bisschen Glück völlig aufgibt.
H: Einer Prostituierten? Du empfindest es also als anrüchig mit allen Mitteln der Wahrheit hinterher zu jagen? Wenn dem so sei, lass mich eine Hure sein. Lass mich die größte Hure sein. Doch lass mich!
G: Wahrheit, Realität… welche sinnlosen Floskeln aus deinem Munde sprudeln. Wahrheit ist, was wir hier sehen und anfassen können und ich sehe einen verkümmerten Haufen der nicht mehr viel von dem Glanz vergangener Tage behalten hat und von Sinnen über wirre Fetzen, sich panisch an den letzten verbleibenden Rest seiner wahnwitzigen Vorstellungen klammernd, sinniert. Das ist die Wahrheit – nichts anderes.
H: Närrischer Tor. Vieles bleibt dem menschlichen Auge verborgen und geschieht nur zwischen zwei Wesen, zwischen zwei Herzen, ohne das ein Dritter Einblick erhält und mein Lieber, dass was wir spüren ist wohl eine viel größere Wahrheit, als jene Dinge, die wir sehen… denn das Auge kann man täuschen, die Seele nicht! und wer das nicht erkennt hat noch nicht begonnen zu leben. Hat noch nicht gespürt was es heißt zu leben, zu lieben, zu leiden oder zu sein. Wahrlich sind wir das Produkt unserer Taten und Gedanken, doch viel, viel mehr sind es doch die inneren Triebe die uns leiten und handeln lassen, uns ausmachen, die uns zu dem formen, was wir sind. und wer auf sie nicht hört, weil er sich durch törichtes Geschwätz in einen Nebel hüllen ließ – hört nicht auf das Leben und ist es nicht wert zu verweilen.
//H zieht, entsichert – schießt//
//Weiß-Schwarz//
//Leere – erscheint//
A